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Kontakt und Einstellungen gegenüber AsylbewerberInnen in der Nachbarschaft der EAE Außenstelle Neustadt

Kontakt und Einstellungen gegenüber Asylbewerbern

Kontakt und Einstellungen gegenüber AsylbewerberInnen in der Nachbarschaft
der EAE Außenstelle Neustadt

 


Patrick Kotzur und Ulrich Wagner, Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg
2015 stieg die Zahl der in Deutschland ankommenden Geflüchteten innerhalb kürzester Zeit an, was Länder und Kommunen vor neue Herausforderungen stellte. Die Kapazität von Erstaufnahmeeinrichtungen musste kurzfristig mithilfe der Schaffung von Außenstellen, wie z.B. der in Neustadt, erweitert werden. In diesem Zusammenhang hat die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Philipps-Universität Marburg Anwohner und Anwohnerinnen in der Nachbarschaft der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Gießen und Außenstelle Neustadt befragt. Ziel der Befragung war es herauszufinden, wie Menschen in der Nachbarschaft die Entwicklung in der Erstaufnahmeeinrichtung einschätzen.
Vorangegangene Untersuchungen hatten gezeigt, dass gerade da, wo Menschen mit Migrationshintergrund leben die Akzeptanz von Menschen mit Migrationshintergrund höher ist als in Gebieten ohne Nachbarn mit Migrationshintergrund. Dieser Effekt geht auf positive Kontakterfahrungen mit Migrantinnen und Migranten in der Nachbarschaft zurück. Kontakte bewirken eine Neubewertung, die in der Regel positiv ausfällt.
Vor diesem Hintergrund wurden 120 Neustädter und Neustädterinnen in der Nachbarschaft der EAE Außenstelle dreimal befragt, im April/Mai 2015, September/Oktober 2015 und Februar/März 2016. Zum ersten Erhebungszeitpunkt stand die EAE Außenstelle in Neustadt kurz vor der Eröffnung.
Über den Untersuchungszeitraum hinweg verändern sich die Berichte von positivem und negativem Kontakt, und Einschätzung der Außenstelle sowie deren Bewohner und Bewohnerinnen. Dabei gab es die meisten Veränderung erwarteter Weise von der ersten zur zweiten Erhebung, also vor zu nach der Inbetriebnahme der Außenstelle. Es zeigt sich eine Zunahme von positiven und negativen Kontakterfahrungen, wobei die Anwohnerinnen und Anwohner stets von mehr positiven als negativen Kontakterfahrungen berichteten. Menschen, die bereits vor der Eröffnung der Unterkunft positive Kontakte mit Asylbewerbern und Asylbewerberinnen hatten, bewerten auch die Bewohner der Unterkunft positiver, stehen der Unterkunft insgesamt positiver gegenüber und unterstützen eine liberalere Asylpolitik. Bei negativen Kontakten zum ersten Erhebungszeitpunkt zeigt sich ein gegenteiliges Muster.
Die Einstellung und das Empfinden vor der Eröffnung der EAE Außenstelle beeinflusst auch die nachfolgenden Kontakterfahrungen: Bei Menschen, die gegenüber Asylbewerbern und Asylbewerberinnen zu Beginn eine positivere Haltung hatten, nahmen positive Kontakte stärker zu. Bei Menschen, die gegenüber Asylbewerbern und Asylbewerberinnen vor der Eröffnung ablehnender gegenüber standen, nahmen hingegen negativ empfundene Kontakte verstärkter zu. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Menschen mit positiverer Vorerfahrung mit Asylbewerberinnen und Asylbewerbern auch zum letzten Erhebungszeitpunkt asylbezogenen Themen positiver gegenüberstanden als Menschen mit weniger positiver Vorerfahrung.
Das Forschungsteam bedankt sich herzlich bei allen, die sich entschieden haben, dieses Projekt mit ihrer Teilnahme zu unterstützen.