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Angekommen? – Erfahrungsaustausch zur Ansiedlung und Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum

Angekommen, Erfahrungsaustausch Flüchtlinge

Angekommen? – Erfahrungsaustausch zur Ansiedlung und Integration
von Flüchtlingen im ländlichen Raum

 


Von Juli 2016 bis Dezember 2017 läuft das von der Hessischen Staatskanzlei initiierte Modellprojekt „Flüchtlinge im ländlichen Raum“. Hieran nehmen sieben Kommunen, darunter auch die Stadt Neustadt (Hessen), teil.

Am 14. März 2017 fand im Kulturzentrum Buseck auf Einladung der Hessischen Staatskanzlei in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund e. V. eine Fachtagung zu dieser Thematik statt.

Hieran nahmen Bürgermeister Thomas Groll, „Integrationslotse“ Martin Methfessel und Simona Lison vom bsj Marburg, der im Auftrag der Kommune für die örtliche Gemeinwesenarbeit und auch das Modellprojekt verantwortlich zeichnet, teil.

Der Leiter der Abteilung „Planung und Controlling“ der Hessischen Staatskanzlei, Marcus Lübbering, eröffnete die Veranstaltung und betonte aus eigener Erfahrung, dass man sich im ländlichen Raum oftmals schneller heimisch fühle als in großen, anonymen Städten. Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes e. V., stellte fest, dass in den Jahren 2015/16 Zehntausende von Flüchtlingen in Hessen angekommen seien. Nun gelte es, sicherzustellen, dass diese Menschen auch in unserer Gesellschaft „angenommen werden“. Die hierfür notwendige Integrationsarbeit müsse von beiden Seiten geleistet werden – den Flüchtlingen und den „Einheimischen“. Schelzke warnte davor, dass in Großstädten Parallelgesellschaften mit all ihren negativen Folgen entstehen könnten, wenn es nicht gelänge, Flüchtlinge im ländlichen Raum zu binden. Daher begrüße der Hessische Städte- und Gemeindebund e. V. das Modellprojekt der Landesregierung ausdrücklich. Schelzke dankte den beteiligten sieben Kommunen für ihr bisher gezeigtes Engagement.

Uwe Kümmel, Leiter der Stabsstelle Migration beim Werra-Meißner-Kreis, behandelte die Thematik aus Sicht des Landkreistages. Er verwies darauf, dass Sprache entscheidend für das Gelingen der Integration sei. Daher gelte es, Sprachkurse unterschiedlicher Niveaus anzubieten. Positiv in diesem Zusammenhang wurden die Aktivitäten der örtlichen Gemeinwesenarbeit hervorgehoben. Manfred Völzke, pensionierter Rektor, bietet seit über zwei Jahren Sprachkurse an. Kümmel betonte weiter, dass eine Koordination der ehrenamtlichen Hilfe unabdingbar sei. Man müsse, „zielgenau“ arbeiten. Dr. Christoph Ullrich, der Gießener Regierungspräsident, beleuchtete den aktuellen Stand des Zuzugs von Flüchtlingen und gab einen Ausblick. Er verwies u. a. darauf, dass die Zugangszahlen in der zweiten Hälfte 2016 sowie im bisherigen Verlauf 2017 deutlich nach unten gegangen seien. Es bestehe aber keine Gewissheit, dass dies auch immer so bleibe. Daher habe die hessische Landesregierung ihr Standortkonzept angepasst und sei in der Lage, bei kurzfristigen Veränderungen zu reagieren. Der Regierungspräsident betonte, dass sich die Integrationsangebote natürlich insbesondere an die Menschen mit Bleibeperspektive richten müssten.

Patricia Ortmann, die Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrums für Stadt und Landkreis Gießen, hob die Wichtigkeit der Vereinsarbeit bei der Integration hervor. Zugleich verwies sie aber auch darauf, dass die Wertevermittlung und die Weitergabe demokratischer Prinzipien für eine gute Integration von Nöten seien.

Bürgermeister Thomas Groll stand im Nachgang ebenso wie Martin Mehtfessel und Simona Lison an einem „Thementisch“ den anderen Kommunen und den übrigen Teilnehmern der Veranstaltung für Fragen zur Verfügung. „Unsere Teilnahme am Modellprojekt ist wichtig. Hierbei können wir erproben, wie man den Alltag von Flüchtlingen gestalten kann und was unternommen werden muss, um im ländlichen Raum zu integrieren. Unser Sprachkurs, die Hilfe beim Führerscheinerwerb nach dem Motto „Fördern und fordern“ oder verschiedene thematische Veranstaltungen werden bisher gut angenommen und sollen eine Fortsetzung finden“, so der Bürgermeister.