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Grundlegende Sanierung des „Hauses der Begegnung“: Bautätigkeit beginnt erst nach der Karnevalskampagne 2018 Kommune plant derzeit mit einem Investitionsvolumen von 3,52 Mio. Euro

Grundlegende Sanierung HDB ab 2018

Grundlegende Sanierung des „Hauses der Begegnung“:
Bautätigkeit beginnt erst nach der Karnevalskampagne 2018
Kommune plant derzeit mit einem Investitionsvolumen von 3,52 Mio. Euro

 


Ausführlich und informativ war die Vorstellung des zukünftigen Nutzungs- und Raumkonzeptes einschließlich der Kosten- und Zeitplanung für die anstehende grundlegende Sanierung des „Hauses der Begegnung“ am 21. März 2017 durch Bürgermeister Thomas Groll sowie Karsten Schmidt und Dr. Stefan Strack vom Planungsbüro Schmidt & Strack aus Alsfeld.
Rund siebzig interessierte Damen und Herren aus Kommunalpolitik, Martin-von-Tours-Schule, Vereinen und der Bürgerschaft hatten sich hierzu im großen Saal des „Hauses der Begegnung“ eingefunden. Rund zweieinhalb Stunden erläuterten der Bürgermeister und die Planer den Anwesenden anhand von rund fünfzig Folien den aktuellen Sachstand und beantworteten Fragen aus den Reihen der Anwesenden.
Eingangs betonte Thomas Groll, dass Einvernehmen in den Gremien der Kommune und nach seiner Einschätzung ebenso im weit überwiegenden Teil der Bürgerschaft darüber herrsche, dass Neustadt auch zukünftig ein Bürgerhaus mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten brauche. Dies komme nicht zuletzt im Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Haushaltsplan 2017 zum Ausdruck, wo für die Sanierung des „Hauses der Begegnung“ Mittel in Höhe von zunächst 3 Mio. Euro vorgesehen seien. Unstrittig sei, dass die Nutzung des Gebäudes optimiert und am Förderprogramm „Soziale Stadt“ ausgerichtet werden solle. Groll verwies aber auch darauf, dass eine Einrichtung wie das „Haus der Begegnung“ niemals kostendeckend betrieben werden könne. Wenn nach der Sanierung Verbrauchskosten sinken würden, dann stiegen im Gegenzug beispielsweise die Abschreibungen.
Die Investitionen der letzten acht Jahre – Toilettenanlage, Lüftungsklappen, Brandschutz – seien keinesfalls umsonst gewesen, ohne diese Ausgaben würde die Einrichtung heute nicht mehr betrieben werden, betonte der Bürgermeister.
Breiten Raum nahmen die Ausführungen des Bürgermeisters zu den mit einer grundlegenden Sanierung verbundenen Zielen in Anspruch. Er stellte dabei heraus, dass es vorrangig darum gehe, die (Wieder-)Herstellung einer dauernden Nutzbarkeit des Gebäudes zu gewährleisten und vorhandene bauliche Mängel zu beseitigen. Insbesondere, so Groll, gelte das Augenmerk hier dem Brandschutz. Derzeit lasse die Bauaufsicht nur eine befristete Zwischenlösung bis längstens 2019 zu. Technische Anlagen seien marode bzw. nach rund vier Jahrzehnten einfach „in die Jahre gekommen“. Ziel sei auch, deutliche Energieeinsparungen zu erzielen. In diesem Zusammenhang nannte der Bürgermeister die hohen Verbrauchskosten für Strom und Gas u.a. aufgrund fehlender Dämmung sowie der Tatsache, dass größtenteils keine selbstständig schaltbaren Abschnitte im Gebäude vorhanden seien. Im Verlauf des Verfahrens werde auch die Frage zu entscheiden sein, ob der Einsatz regenerativer Energien sinnvoll und wirtschaftlich sei. Weiterhin gelte es, eine durchgängige Barrierefreiheit durch einen Aufzug und die entsprechende Gestaltung der Zugänge zum Gebäude herzustellen. Auch sei ein normgerechtes Behinderten-WC nötig.
Den Entwurf des künftigen Raumkonzepts habe man unter Einbezug der Ergebnisse einer durchgeführten Befragung der (Karnevals-)Vereine und interessierter Bürger, der gewonnenen Erkenntnisse aus der Besichtigung anderer Bürgerhäuser und den Gesprächen mit Konzertveranstaltern und weiteren potenziellen Nutzern entwickelt. Ziel sei es, selbstständig nutzbare Abstände zu schaffen. Für den großen Saal solle eine größtmögliche Besucherzahl gewährleistet und der Bühnenbereich erweitert werden. Auch sollten die Umkleidemöglichkeiten im Bühnenbereich verbessert sowie im Bereich der ehemaligen Kegelbahnen neben Lagerraum auch Umkleidemöglichkeiten für Karneval entstehen. Der Bürgermeister betonte weiter, dass das Objekt zukünftig in einem „Bürgerhausmodell“ betrieben werden solle. Dies bedeutet den Verzicht auf einen Pächter, da aufgrund Berechnungen des Hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes das Objekt als Gaststätte wirtschaftlich nicht zu führen sei. Dies habe natürlich Auswirkungen auf die Kücheneinrichtung, die „schmal“ ausfallen könne, und die Handhabbarkeit der technischen Einrichtungen. Man werde Wert darauf legen, eine einfache Bedienung zu erreichten, um den Hausmeistereinsatz nicht ausufern zu lassen. Die Erschließung des Gebäudes soll insgesamt optimiert und eine Zugänglichkeit der „Junker-Hansen-Stube“ von außen geschaffen werden. Diese Räumlichkeit solle zukünftig für Familienfeierlichkeiten mit etwa fünfzig Personen und als Veranstaltungsort für „Kleinkunst“ genutzt werden. Das Atrium soll geöffnet und dadurch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität gerade auch bei Feiern im Untergeschoß ermöglicht werden. Für alle Räume seien helle und freundliche Farben vorgesehen.
Der Bürgermeister stellte heraus, dass es darum gehe, regelmäßig „Leben ins Gebäude“ zu holen. Die Kommune könne nicht nur Räume für Feierlichkeiten und Traditionsveranstaltungen wie Karneval vorhalten. Dies sei gegenüber den Fördergebern nicht zu vertreten. Bei der Neukonzeption gelte es, soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Ziel sei auch, einen Seminarraum für die Volkshochschul- oder Gemeinwesenarbeit zu schaffen. Daneben wolle man auch der Integrierten Gesamtschule die Nutzung des großen Saales als Aula ermöglichen. Weiterhin ist beabsichtigt, die Anbindung an den Bürgerpark zu verbessern und den Außenbereich in Teilen umzugestalten. Letztlich gelte es, durch das neue Raumkonzept für das Bürgerhaus die Nutzung anderer kommunaler Gebäude zu optimieren. Bei der Bühnentechnik, so Groll, sei es Ziel des Magistrates, eine Grundausstattung für Beschallung und Beleuchtung zu gewährleisten und die Möglichkeit für den Anschluss eines gewünschten Mehrbedarfes zu ermöglichen. Der Besuch anderer Bürgerhäuser und Gespräche mit Technikern und potentiellen Nutzern hätten nämlich aufgezeigt, dass man keinesfalls alles vor Ort vorhalten müsse. Die Verbesserung der Akustik steht ebenfalls auf der Agenda.
Aufgrund baulicher Veränderungen wird es nach der Sanierung keines Brandsicherheitsdienstes mehr bedürfen.
Dr. Stefan Strack und Karsten Schmidt erläuterten sodann ergänzt von Ausführungen des Bürgermeisters das neue Nutzungs- und Raumkonzept. Für den großen Saal wurde zunächst auch darüber nachgedacht, die Bühne um 90 Grad zu drehen. Dies wurde allerdings aufgrund von Mehrkosten in Höhe von etwa 290.000,- Euro sowie des Verlustes von Sitzplätzen schnell wieder verworfen. „Bei einem Neubau hätte man nach dem Motto quadratisch – praktisch – gut klare Raumstrukturen geschaffen, hier sind wir aber an die vorhandene Kubatur des Gebäudes gebunden. Wir werden das Beste daraus machen“, stellte Thomas Groll dazu fest. Die Bühne wird nunmehr um rund 10 m² vergrößert. Der große Saal wird bei Karnevalsveranstaltungen mit einer gesonderten Bestuhlung der Vereine etwa 450 Menschen aufnehmen können. Ansonsten werden es rund 400 sein. Die Küche wird verkleinert. Der ehemalige Restaurantraum soll vom Hessischen Diakoniezentrum Hephata als Begegnungsstätte/Veranstaltungsraum für Menschen mit und ohne Handicap genutzt und an Wochenenden als „kleines Café“ betrieben werden. Dies ist sicherlich auch ein attraktives Angebot für Besucher des Parks, des Kleinkinderspielplatzes oder die künftigen Bewohner der in der unmittelbaren Nachbarschaft (ehemaliges Heimleiterhaus nebst Fremdenzimmer) durch eine Investorengruppe geplanten Appartments mit der Möglichkeit des betreuten Wohnens bzw. auch deren Gästen. Die Terrasse wir in ihrer Form sicher verändert werden. Sie soll einen gepflasterten Zugang vom Wehr im Park erhalten. In die beiden Nebenräume des Restaurants wird die kommunale Bücherei umziehen. Bürgermeister Thomas Groll verwies darauf, dass sicher mancher die Frage stellen könne, warum die Bücherei, die erst seit 2011 in der Kindertagesstätte „Regenbogen“ angesiedelt sei, nun schon wieder umziehen solle. Dies habe mehrere Gründe: Zum einen solle die Frequenz im „Haus der Begegnung“ erhöht werden, zum zweiten wolle man das kulturelle Angebot der Bücherei sukzessive ausbauen und könne hierzu auch die „Junker-Hansen-Stube“ oder die Begegnungsstätte zukünftig mit nutzen und zum dritten brauche das Familienzentrum in der Allee, dessen Angebote gut angenommen werden, zusätzliche Räumlichkeiten, um weitere Angebote schaffen zu können. Karsten Schmidt und Dr. Stefan Strack erläuterten Näheres zum Behinderten-WC sowie zum Aufzug.
Auf großes Interesse stießen die Planungen zur „Junker-Hansen-Stube“. Diese wird einen Zugang von außen erhalten. Der Eingangsbereich wird so gestaltet, dass man sich bei Feierlichkeiten auch dort aufhalten kann, sich aber nicht wie auf einem Präsentierteller an der Bundesstraße fühlen muss.. Der Raum wird zukünftig über Platz für 53 Personen an Tischgruppen und 85 Personen in Reihenbestuhlung verfügen. Es wird eine kleine Theke und Lagermöglichkeiten geben.
Bei der Erstellung des Haushaltsplanes 2017 wurde im Oktober/November 2016 davon ausgegangen, dass sich die Kosten für die grundlegende Sanierung des Gebäudes und damit eingehenden Nutzungskonzeption zumindest auf 3 Mio. Euro belaufen werden. Diese Angaben basierten auf dem Baukostenindex für vergleichbare Objekte und einer Kostenschätzung aus dem Jahre 2010. Eine Neugestaltung der Außenanlage war hierbei noch nicht berücksichtigt. Nun ermittelten die Planer Bruttobaukosten für die Gesamtmaßnahme in Höhe von 3,52 Mio. Euro. Es wurde betont, dass dies kein „Festpreis“ sei. Erst nach Auftragsvergabe bzw. natürlich letztlich nach der Bauausführung wisse man, was das Vorhaben letztlich koste. „Wir wollen keinen zweiten Hauptstadtflughafen BER oder eine weitere Elbphilarmonie. Wir hinterfragen jede Ausgabe nach den Kriterien rechtlich vorgeschrieben – notwendig oder wünschenswert. Ich kann versichern, dass wir und die Planer mit Kostenbewußtsein vorgehen und die Gremien regelmäßig über die Entwicklung unterrichten werden“, betonte Bürgermeister Thomas Groll. Die Finanzierung des Vorhabens, so Bürgermeister, sei durch die Inanspruchnahme mehrerer Förderprogramme gewährleistet. Im Hinblick auf die nunmehr durch die bisherige Planung ermittelten potentiellen Baukosten von insgesamt 3,52 Mio. Euro wurden bereits zusätzliche Förderanträge gestellt. Der Bürgermeister verwies zudem darauf, dass der Kommune noch Mittel in Höhe von über 900.000 Euro aus dem kommunalen Investitionsprogramm des Landes aufgrund der Schaffung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge vor Ort zur Verfügung stehen. Diese seien zunächst einmal größtenteils für die Sanierung des Freibad vorgesehen. Sollte sich aber ein „Nachfinanzierungsbedarf“ für das „Haus der Begegnung“ ergeben, so könnten diese Mittel (teilweise) auch noch hierfür verwandt werden. „Wir bringen zunächst das Bürgerhausprojekt auf den Weg, bevor wir uns dem Freibad zuwenden. Ggf. gehen wir dann dort abschnittsweise vor. Solche Einheiten lassen sich dort weitaus einfacher bilden“, betonte Thomas Groll.
Der Zeitplan geht nunmehr davon aus, mit den Arbeiten am Objekt selbst bei geeigneter Witterung Mitte Februar 2018 zu beginnen. Im Bauzeitenplan wird mit einer Fertigstellung zum Ende des II. Quartals 2019 gerechnet. Die derzeit noch notwendigen planerischen Arbeiten, die Abstimmung mit den Finanzierungsgebern, das Baugenehmigungsverfahren, die Ausschreibung und Vergabe wird sich auf alle Fälle bis weit in den Herbst 2017 hinziehen. Dann noch mit den Arbeiten zu beginnen, so Thomas Groll, sei nicht sinnvoll. Lieber wolle man den karnevalstreibenden Vereinen und der Theatergruppe der Kolpingfamilie auch 2018 noch eine Nutzung des Objektes ermöglichen und am Aschermittwoch 2018 mit den Arbeiten beginnen. Hierfür erhielt er spontanen Beifall. Der Bürgermeister verwies darauf, dass er sich mit den Karnevalsvereinen in den nächsten Monaten einmal zusammensetzen werde, um über die Kampagne 2019 zu reden. Landrätin Kirsten Fründt habe ihm signalisiert, dass eine Nutzung der Turnhalle der Waldschule, die knapp 300 Besucher fasst, durchaus in Betracht kommen könnte.
Im Verlauf der Veranstaltung kam es zu zahlreichen Fragen. Hans-Gerhard Gatzweiler, Vorsitzender der SPD-Fraktion, wollte beispielsweise wissen, ob man bei möglichen Kostensteigerungen das Objekt nicht auch abschnittsweise sanieren könne, um mit den Mitteln auszukommen. Dies wurde von den Planern und dem Bürgermeister eher kritisch gesehen. Die Förderbedingungen würden dies aus seiner Sicht unwahrscheinlich erscheinen lassen, so Groll. Man könne aus „rechtlich und tatsächlichen Einheiten“ nicht einfach Teile herausnehmen. In Kirchhain sei man beim Bürgerhaus so vorgegangen und habe inzwischen mehrfach „nachgesteuert“. Der Bürgermeister zeigte sich optimistisch, dass das „größte Bauvorhaben in der jüngeren Geschichte der Kommune“ aufgrund der eingeworbenen bzw. beantragten Fördermittel solide umsetzbar sei. Gegenwärtig geht Groll davon aus, dass die Kommune 1 Mio. Euro für die Sanierung aus eigenen Mitteln aufbringen müsse. Dies sei ein großer Betrag. Man dürfe aber nicht vergessen, dass er auf mehrere Jahre aufgeteilt werde. „Vor Jahren dachten wir eher an die Schließung des Gebäudes, als an die Sanierung. Die eingeworbenen Fördermittel sind eine große Chance. Die müssen wir nutzen“, so Thomas Groll. Anfang April beginnen im Übrigen die notwendigen Vorabgespräche mit der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen. Ortsvorstehr Klaus Groll regte an, die Bücherei und die „Begegnungsstätte“ in das Unter- und die Räumlichkeiten für Familienfeiern stattdessen in das Obergeschoß zu verlegen, um die Terrasse mit nutzen zu können. Dies sei aufgrund der jeweils nötigen Raumgrößen nicht machbar, so die Planer. Der Stadtverordnete Walter Schmitt (CDU) wollte wissen, ob die „Junker-Hansen-Stube“ nicht eine Art Wintergarten erhalten könne. „Die etwaigen Vorteile stehen hier gegenüber den Zusatzkosten deutlich zurück“, so Dr. Stefan Strack. Clemens Zinser wollte wissen, ob das „Haus der Begegnung“ fast alle Fördergelder des Programms „Soziale Stadt“ binde und andere Projekte dadurch erschwert oder unmöglich würden. Dies verneinte der Bürgermeister. Es gebe kein festes Gesamtkontingent, sondern es werde immer projektbezogen über Fördermittel entschieden.
Am Ende der Veranstaltung warb Bürgermeister Thomas Groll dafür, das Vorhaben mit Optimismus anzugehen. „Schaffen wir ein Bürgerhaus für unsere Kommune, das mit Leben erfüllt ist“, so endete sein mit Beifall aufgenommenes Schlusswort.
Die Präsentation mit dem neuen Nutzungs- und Raumkonzept kann auf der Homepage der Kommune eingesehen werden. Am 20.4.2017 wird die Stadtverordnetenversammlung einen Grundsatzbeschluss zum weiteren Vorgehen fassen.
In diesem Jahr dürfte noch der Verbindungssteg zwischen Heimleiterhaus und Bürgerhaus abgebrochen und die Hebeanlage verlegt werden.