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"Kohls Kissinger" sprach über Reagan, die Wiedervereinigung und das Verhältnis zu den USA und Russland Prof. Dr. Horst Teltschik zu Gast in Neustadt

Prof. Dr. Horst Teltschik zu Gast in Neustadt

Foto: Karl-Joseph Lemmer

"Kohls Kissinger" sprach über Reagan, die Wiedervereinigung und das Verhältnis zu den USA und Russland
Prof. Dr. Horst Teltschik zu Gast in Neustadt

 


Über 160 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich am 28. März im "Haus der Begegnung" versammelt, um die Ausführungen des langjährigen Kanzlerberaters Prof. Dr. Horst Teltschik zu hören.
Mit "Wind oft Change" eröffnete das Trio "Semplice" die Veranstaltung musikalisch und ein von Gitta Vettel zusammengestellter Film führte in die Thematik des Abends, "Ronald Reagan: Kalter Krieger oder Wegbereiter der Deutschen Einheit? Die deutsche amerikanischen Beziehungen - Erfahrungen oder Perspektiven", ein.
Bürgermeister Thomas Groll zeigte sich erfreut darüber, dass die Veranstaltungsreihe der Kommune zu zeitgeschichtlichen Themen immer größeren Zuspruch erfahre. Namentlich hieß Groll u.a. den ehemaligen Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, Generalmajor a.D. Gertmann Sude, Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann (beides ehemalige Kommandeure der Panzerbrigade 14), die Kreis beigeordnete Sigrid Waldheim und Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels willkommen. Die Gäste des Abends kamen aus Neustadt, aber aus zahlreichen anderen Kommunen. Oftmals hörte man Anerkennung für diese in der Region einmalige Veranstaltungsreihe.
Der Bürgermeister übernahm es, Prof. Dr. Teltschik näher vorzustellen. Der Politologe und Wirtschaftsmanager, Jahrgang 1940, arbeitete von 1972-1990 für Helmut Kohl. Acht Jahre war er Sicherheitsberater des Bundeskanzlers. Anschließend übte er Vorstandstätigkeiten bei Bertelsmann, BMW und Boeing aus. Teltschik leitete von 1999-2007 die Münchner Sicherheitskonferenz und ist heute noch ein weltweit gefragter Gesprächspartner. War er am 28.3. In Neustadt, so flog er einen Tag später nach Moskau.
Thomas Groll stellte heraus, dass Prof. Dr. Teltschik den Weg zur Einheit Deutschlands entscheidend mitgestaltet habe. "Reagan, Bush sen., Mitterrand, Thatcher, Gorbatschow, Honecker - allen gab er die Hand, Verhandlungen mit ihnen bereitete er vor. Kohls 10-Punkte-Plan zur Einheit stammt aus seiner Feder. Ein Zeitzeuge, wie es nur wenige gibt", so der Bürgermeister.
Prof. Dr. Horst Teltschik nahm die berühmte Rede von US-Präsident Ronald Reagan 1987 vor dem Brandenburger Tor ("Herr Gorbatschow öffnen sie dieses Tor. Reisen sie diese Mauer nieder.") als Ausgangspunkt für seine zeitgeschichtliche Betrachtung. Er spannte den Bogen von der Wahl Reagans im November 1980 bis zum Abzug der russischen Truppen aus Deutschland 1994. Er stellte die Bedeutung des NATO-Doppelbeschlusses ebenso heraus wie Reagans klaren Kurs gegenüber der Sowjetunion. Der Vertraute Kohls blickte aber nicht nur noch Washington, sondern auch nach Moskau. "Nach den alten, kranken Männern im Kreml folgte Michael Gorbatschow. Ein Glücksfall für die Geschichte. Seine Politik war ein bedeutsamer Baustein für die Einheit Deutschlands", so Teltschik. Gorbatschow habe neue Akzente gesetzt und wieder das Gespräch mit den USA und dem Westen gesucht. Er erkannte nämlich rasch, dass die Sowjetunion das "Wettrüsten" mit den USA und ihren Verbündeten nicht gewinnen konnte.
Hochinteressant waren Horst Teltschiks Ausführungen über die Monate hin zur Wiedervereinigung. Eine Zeit, die er im Bonner Kanzleramt und bei unzähligen Gesprächsterminen in Ost und West entscheidend mitgestaltete. Das war Geschichtsunterricht aus erster Hand.
Der Referent warf über auch die Frage auf, ob Europa die Chance des friedlichen Umbruchs der Jahre 1989/90 hinreichend genutzt habe. Sein Fazit war ernüchternd. "Viel zu wenig ist daraus erwachsen. Die Europäische Union ist in einer Krise. Das Verhältnis zu Russland schlecht wie lange nicht mehr." Prof. Dr. Teltschik warb dafür, dass Deutschland und Frankreich wieder zum Motor der europäischen Entwicklung werden müssten.
"In der Krise steckt zugleich eine Chance. In meiner aktiven Zeit hatte ich Krisen durchaus gerne. Sie bieten auch die Möglichkeit etwas Neues zu wagen", schloss Prof. Dr. Horst Teltschik unter großen Beifall seinen Vortrag.
Bürgermeister Thomas Groll dankte dem Gast aus München für die Einblicke in die Zeitgeschichte und bat ihn, sich in das Goldene Buch der Kommune einzutragen.
Im Foyer hatte Bert Dubois Exponate zusammengestellt, die den Vortrag Teltschiks untermauerten.