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Altenhilfekonzept für Neustadt (Hessen) Erste Gesprächsrunde in Neustadt – Teilnehmer bringen weitere Ideen ein

Erste Gesprächsrunde in Neustadt

Altenhilfekonzept für Neustadt (Hessen)
Erste Gesprächsrunde in Neustadt – Teilnehmer bringen weitere Ideen ein

 


Gegenwärtig wird für die Stadt Neustadt (Hessen) ein Altenhilfekonzept vom Kasseler Büro für Stadtplanung und Regionalentwicklung akp erstellt. Dieses Vorhaben der Kommune wird vom Landkreis Marburg-Biedenkopf finanziell gefördert. Auf Initiative von Bürgermeister Thomas Groll ist Neustadt die erste Kommune im Landkreis, die diese Unterstützung nach den neuen Seniorenpolitischen Leitlinien des Kreises nutzt.

In den Monaten Februar und März 2017 konnten sich sowohl Seniorinnen und Senioren als auch helfende bzw. pflegende Angehörige und Ehrenamtliche an einer Befragung beteiligen. Hierzu lagen entsprechende Fragenbögen dem „Mitteilungsblatt“ bei. Mittlerweile wurden die eingegangen Antworten ausgewertet und die Ergebnisse werden einen wichtigen Baustein für das Altenhilfekonzept bilden. Die Ergebnisse werden nun in vier Gesprächsrunden in Neustadt, Momberg, Mengsberg und Speckswinkel vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert.

Der Auftakt hierzu wurde am 12. April 2017 im „Haus der Vereine“ gemacht. Bürgermeister Thomas Groll konnte hierzu bei Kaffee und Kuchen neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern, darunter Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels, Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg und Ortsvorsteher Klaus Groll, auch Heike Brandt und Elena Hansjürgens vom Büro akp begrüßen. Eingangs machte der Bürgermeister deutlich, dass die Ergebnisse der Befragung keineswegs für die „Schublade“ sein dürfen. Vielmehr gelte es, nach der Erstellung des Altenhilfekonzeptes mit einer schrittweisen Umsetzung zu beginnen. „Wir müssen die Vorschläge priorisieren und schauen, was für finanziell und personell leisten können“, betonte der Bürgermeister. Die künftigen Aktivitäten im Bereich der Seniorenarbeit hängen für ihn eng mit der Neukonzeption für das Familienzentrums zusammen. „Es ist unser Ziel, hier mittelfristig Angebote von 0 – 99 Jahren unterbreiten zu können. Darüber führen wir gegenwärtig Gespräche mit dem Landkreis, der uns hierbei unterstützen wird. Hierfür bin ich Landrätin Kirsten Fründt dankbar“, erläuterte Groll. In seinen einführenden Worten ging er auch darauf ein, dass sich die Stadt Neustadt (Hessen) in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer Wohnstadt entwickelt habe. ERGEE, in der Blütezeit mit über 1.500 Arbeitsplätzen, die Bundeswehr und andere Unternehmen seien nicht oder nicht mehr in der ursprünglichen Größe vorhanden. Dies habe natürlich Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze vor Ort. Aktuell seien nur rund 1.000 Arbeitsplätzen bei 8.800 Einwohnern zu verzeichnen. „Wir müssen uns deshalb auf unsere Stärken besinnen, diese erhalten und nach Möglichkeit ausbauen. Neustadt ist – wie festgestellt - eine Wohnstadt. Hierauf gilt es zu reagieren. Wir müssen vorrangig Angebote für Familien mit Kindern und Senioren vorhalten. Dabei darf nicht verkannt werden, dass sich die Bedürfnisse der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger im Laufe der Zeit entscheidend gewandelt haben. Die Altenhilfekonzeption soll uns hier einen Überblick über den derzeitigen Sachstand geben und Handlungsfelder für die Zukunft benennen. Wir wollen keinesfalls an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei planen. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam etwas erreichen können“, stellte Bürgermeister Thomas Groll fest. Ein Hauptpunkt sei natürlich, weiterhin ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für eine engagierte Mitarbeit gewinnen.

Heike Brandt und Elena Hansjürgens stellten anschließend die Ergebnisse der Befragung vor. Dankenswerterweise haben über 100 Personen der Generation 60plus zwischenzeitlich einen Fragebogen abgegeben. Damit sind die Ergebnisse zwar nicht repräsentativ, geben aber doch durchaus einen guten Überblick für die Situation vor Ort vor. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer bewegt sich bei 74 Jahren. Für die Kernstadt Neustadt bewerteten die Bürgerinnen und Bürger die Wohn- und Lebensverhältnisse als insgesamt gut. Positiv hervorgehoben wurde die Lebensmittelversorgung, die Verkehrsanbindung und hier insbesondere der Bahnanschluss, die Landschaft, der Bürgerpark und die insgesamt die ruhige Wohnlage. Ebenfalls wurden kurze Wege, gute Erreichbarkeit und Übersichtlichkeit als Pluspunkte genannte. Auch mit den Freizeitmöglichkeiten und dem Vereinsleben scheint man zufrieden zu sein. Bezüglich der medizinischen Infrastruktur werden die Grundbedürfnisse nach Auffassung der an der Befragung Teilnehmenden erfüllt. Das Fehlen von Fachärzten wurde allerdings bedauert.
Als verbesserungswürdig nannte man immer wieder Angebote im Bereich der Bekleidung und auch des Handwerkes. Ein deutlicher Minuspunkt ist die fehlende Barrierefreiheit beim Bahnhof. Auch das Verkehrsaufkommen und das Parkplatzangebot werden teilweise negativ gesehen. Gleiches gilt für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern im Straßenverkehr. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln werden ebenfalls Verbesserungen gewünscht. Mehrfach wurde hier ein Fahrdienst für Senioren oder ein Bürgerbus als Lösungsmöglichkeiten genannt. Bei der Befragung zeigt sich, dass die Seniorinnen und Senioren die zahlreichen Angebote vor Ort gerne nutzen. Als äußerst beliebte Veranstaltungsreihe wurden hierbei die Termine von „3 x 20 Plus und Minus“, einem Angebot der katholischen Kirchengemeinde Neustadt, angeführt. Wünschen würde man sich aber noch sportliche Aktivitäten für Senioren, eine Begegnungsstätte und Beratungs- und Hilfsangebote für ältere Menschen. Deutlich zeichnet sich ab, dass die meisten Senioren ihren Lebensabend in gewohnter Umgebung verbringen möchten. Aber auch betreutes Wohnen oder Tagespflege wurden als wünschenswerte Alternativen vor Ort genannt. In diesem Zusammenhang verwies Bürgermeister Groll darauf, dass man diesbezüglich Gespräche führe bzw. Planungen bereits erstellt seien („Wohnen am Park“ – seniorengerechtes Wohnangebot eines privaten Investors). Es handele sich aber um ein Bohren recht dicker Bretter und kurzfristige Patentlösungen gebe es nicht. Interessant auch, dass 50 % der Befragten aus der Kernstadt Umbaumaßnahmen an ihren Wohnräumen für das Alter für notwendig erachten. Bei erforderlichen Hilfestellungen greift man zumeist auf Hilfsangebote aus der eigenen Familie oder dem Nachbars- und Bekanntenkreis zurück.

Städteplanerin Heike Brandt fasste die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Die Lebensverhältnisse im Alter werden in der Kernstadt als gut eingeschätzt. Wichtige Themen für Senioren sind das Einzelhandelsangebot, die Barrierefreiheit und die Sicherheit im Straßenverkehr. Es sollten vermehrt Informationsangebote für diesen Personenkreis bereit gehalten werden. Auch die Mobilität wird ein Hauptthema für die Zukunft sein.“

In den kommenden Wochen finden weitere Gesprächsrunden in den Stadtteilen statt.

Die Ergebnisse dieser Veranstaltungen fließen in das Altenhilfekonzept ein.