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Jugendliche erobern die Alpen

Jugendliche erobern die Alpen

Jugendliche erobern die Alpen

 


Im Rahmen der alljährlichen Ferienfreizeiten ging es in der ersten Woche der Sommerferien, vom 3. bis 7. Juli, in die Tannheimer Berge. Insgesamt elf Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren stellten sich der Herausforderung „Hüttentour in den Alpen“. Die Gruppe setzte sich aus sieben Neustädter und vier Gladenbacher Jugendlichen zusammen, die im Rahmen eines internen Kooperationsprojekts der Jugendarbeit des bsj Marburg e.V., gemeinsam auf Bergtour gingen.
Zunächst startete man mit zwei Kleinbussen in Richtung Füssen, um hier die erste Nacht in einem Hostel zu verbringen und den Abend am Forggensee zu genießen. Nach dem Frühstück, am darauffolgenden Morgen, begann unser Abenteuer. Es ging nochmals mit dem Bus über die österreichische Grenze nach Vils. Hier wurden die Rucksäcke mit den notwendigsten Materialien für die nächsten vier Tage gepackt, schließlich zählt jedes Gramm. Die Spannung stieg bereits, während den Teilnehmern ihre Klettersteigausrüstung, bestehend aus Klettergurt, Klettersteigset und Helm, ausgehändigt wurde. Diese sollte jedoch erst am nächsten Tag zum Einsatz kommen.
Vom Wanderparkplatz aus starteten wir über die Vilser Alpe und die Vilser Scharte (1.817 m) unseren Weg zum ersten Nachtlager in der Otto-Mayr Hütte. Nach ungefähr sechs Stunden Wanderung konnten die Jugendlichen ihr Matratzenlager beziehen und das Umfeld der Hütte erkunden.
Am nächsten Tag stand der aufregendste Teil unserer Strecke auf dem Programm. Nach einer gemeinsamen morgendlichen Besprechung entschieden sich alle Jugendlichen die Herausforderung Friedberger Klettersteig anzunehmen. Durch ein Geröllfeld gelangten wir zur Gelben Scharte unterhalb des Schartschrofen. Hier wurde zunächst eine ordentliche Pause eingelegt, ehe die Klettersteigausrüstung erklärt und angelegt wurde. Wir begannen unseren Weg in Richtung des höchsten Punktes unserer Tour, der Roten Flüh auf 2.108 Metern. Zunächst näherten sich alle sehr vorsichtig und respektvoll dem Fels. Doch man merkte, wie von Schritt zu Schritt die Zuversicht und Sicherheit, dass Ziel erreichen zu können, bei allen Teilnehmern stieg. Nach einer letzten, in den Fels gehauenen, Leiter war das Gipfelkreuz bereits in Sicht und kurze Zeit später konnten alle den Gipfel erreichen und freudig eine zünftige Mittagsrast einlegen. Von hier ging es weiter zu unserer nächsten Unterkunft, dem Gimpelhaus. Hier entschloss sich eine kleine Gruppe nach dem Abendessen, dass Angebot anzunehmen nochmals ohne Gepäck in die Berge zu starten. Es wurde ein Felsvorsprung in der Nähe der Hütte angesteuert, von welchem aus man den Sonnenuntergang mit Blick auf den Haldensee genoss. Auf dem Weg dorthin, konnte man in der Abenddämmerung Gämse beim grasen aus unmittelbarer Nähe beobachten. Manch ein Teilnehmer machte hier seine erste Begegnung mit dem alpinen Kletterkünstler, der ihnen zuvor vollkommen unbekannt war. Anschließend bestaunte man das Farbenspiel am Himmel und an den umliegenden Bergen während des Sonnenuntergangs. Beinahe minütlich scheinen sich die Farben und Stimmungen zu verändern. Somit ging es um eine neue Erfahrung reicher zurück ins Nachtlager.
Am nächsten Morgen sollte der Rückweg nach Musau und anschließend nach Füssen angetreten werden. Gemeinsam ging es an der Tannheimer Hütte vorbei in Richtung Sabajoch. Hier entschied sich wiederum ein kleiner Teil der Gruppe noch einen weiteren Gipfel zu besteigen. Es galt eine Gratwanderung auf die Schneidspitze (2.009 m) zu bewältigen. Diese hielt nochmals einige anspruchsvolle Passagen, die absolute Trittsicherheit verlangten, vor. Jedoch auch diese Hürde meisterten alle souverän. Mit der anderen Hälfte der Gruppe vereinbarte man, sich wieder an der Musauer Alm zu treffen. Hier war zunächst nur eine kleine Trinkpause eingeplant. Jedoch gefiel es allen hier so gut, dass die Mehrheit spontan darüber abstimmte eine weitere Nacht auf der Hütte, statt in Füssen, zu verbringen. Besonders der nahegelegene Bachlauf erfreute sich, bei den stets sommerlich warmen Temperaturen, hoher Beliebtheit.
Nach einer weiteren Nacht in den Bergen, machte man sich gegen 9.15 Uhr auf den Rückweg ins Tal. Es standen nochmals zwei Stunden Fußweg vor uns, ehe wir den Talort Musau erreichten und die Busse vom Wanderparkplatz in Vils geholt werden konnten. Nun machten wir uns bereits wieder auf die Heimreise nach Neustadt. Die Tage vergingen wie im Flug und das Wetterglück war uns stets treu. Wir erlebten keinen einzigen Tropfen Regen, so flossen eher einige Liter Schweiß bei strahlendem Sonnenschein.
Allen Teilnehmern gilt großer Respekt sich, in Zeiten der eher medial orientierten Freizeitbeschäftigungen, auf das Abenteuer Alpen eingelassen zu haben. Keiner wurde zurück gelassen, auch wenn alle mit unterschiedlichen konditionellen und motorischen Voraussetzungen starteten. Jeder hatte seine kleinen Hoch- und Tiefpunkte, Motivationsbrüche, war mal ganz vorne oder ein ganzes Stück hinter der Gruppe, doch man kam stets wieder zusammen am Tagesziel an und startete am nächsten Morgen gemeinsam in einen neuen Tag. So konnte jeder nach seinen individuellen Bedürfnissen etwas mehr oder weniger Abenteuer erleben. Sicherlich haben alle neue Eindrücke gesammelt, Entdeckungen gemacht, Tiere und Pflanzen kennengelernt, die man zuvor nur aus dem Fernsehen oder noch gar nicht kannte. Die abschließende Runde mit allen Teilnehmern brachte nochmals deutlich zum Vorschein, dass das Wagnis Klettersteig eindrucksvoll in den Erinnerungen der Jugendlichen haften blieb, da man etwas geschafft hat, was manch einer sich zuvor selbst nicht zugetraut hätte.

Lars Kietz