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„Der Vater, die Macht und das Erbe. – Die Tagebücher des Monsignore Paul Adenauer“ Gedenkveranstaltung zum 50. Todestag von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer

Gedankveranstalltung 50. Todestag von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer

„Der Vater, die Macht und das Erbe. – Die Tagebücher des Monsignore Paul Adenauer“
Gedenkveranstaltung zum 50. Todestag von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer

 


Mit einem beeindruckenden Vortrag endete die diesjährige Veranstaltungsfolge der Stadt Neustadt (Hessen) zu bedeutsamen Ereignissen und Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Auch diesmal waren wieder rund einhundert Interessierte der Einladung von Bürgermeister Thomas Groll in das „Haus der Begegnung“ gefolgt. Den Vortrag hielt auf Vermittlung von Bundesminister a. D. Friedrich Bohl Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters, Hauptabteilungsleiter bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Politikwissenschaftler und Zeitgeschichtler gilt unter Experten als „Adenauer-Kenner Nummer Eins“ in Deutschland. Die Veranstaltung wurde in bewährter Weise von Karl-Joseph Lemmer und Willfred Sohn mit passenden Liedbeiträgen umrahmt. Bürgermeister Thomas Groll konnte neben Friedrich Bohl u. a. die Kreisbeigeordnete Sigrid Waldheim, Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels und Ersten Stadtrat Wolfram Ellenberg begrüßen. Die Nachbarkommune Willingshausen war durch den Ersten Beigeordneten Manfred Ries vertreten. Aus Stadtallendorf nahm Erster Stadtrat Otmar Bonacker teil, für die Stadt Kirchhain war die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dagmar Schmidt anwesend und als Vertreter der Bundeswehr fand Oberstleutnant Frank Hille vom Stab Division „Schnelle Kräfte“ aus Stadtallendorf den Weg in das „Haus der Begegnung“.

Bürgermeister Thomas Groll hob nach einem einleitenden Filmbeitrag, der noch einmal bedeutsame Lebensstationen Adenauers kurz Revue passieren ließ, hervor, dass dieser in vier Epochen deutscher Geschichte tätig war: Im Kaiserreich als Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Köln, in der Weimarer Republik zudem als Präsident des preußischen Staatsrates, im nationalsozialistischen Deutschland wurde er abgesetzt und immer wieder verhaftet und nach dem Zweiten Weltkrieg war Adenauer zunächst Präsident des Parlamentarischen Rates und dann von 1949 bis 1963 Bundeskanzler. Groll betonte, dass die Westintegration Deutschlands, das Wirtschaftswunder, den Wiederaufbau, die Wiederbewaffnung, die Heimholung der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und die Aussöhnung mit Frankreich für immer mit dem Wirken Konrad Adenauers verbunden seien.

Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters verstand es, den Bogen von Adenauers Zeit als Kommunalpolitiker in Köln bis hin zu seinen letzten Lebensmonaten zu spannen. Der Zeithistoriker hob hervor, dass Adenauer die Kommunalpolitik besonders geliebt habe. Dort habe er sichtbar gestalten können. Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte Konrad Adenauer das Bild der Domstadt am Rhein entscheidend. Beispielsweise schuf er zusätzlichen Wohnraum, neue Grünanlagen und die Kölner Messe. Erst 2015 wurden die rund 250 Seiten umfassende Tagebuchaufzeichnungen des Adenauer Sohnes Paul, der katholischer Priester war und dem von Papst Johannes XXIII der Titel eines Monsignore verliehen wurde, aufgefunden. Für Prof. Dr. Küsters stellen sie eine zeitgeschichtliche Quelle ersten Ranges dar. Anhand zahlreicher Zitate aus Gesprächen von Vater und Sohn verstand er es, die Jahre 1961 – 1966 darzustellen. In jener Zeit wurde in Berlin die Mauer errichtet (1961), war die Spiegel-Krise (1962) und der Rücktritt des als 87-jährigen Adenauers vom Amt des Bundeskanzlers (1963). Aus den Aufzeichnungen wurde deutlich, dass Adenauer damals in großer Sorge um Deutschland und seine Partei war. Insbesondere wollte der Ludwig Erhard als seinen Nachfolger verhindern. Im Übrigen gab ihm die Geschichte hier Recht, denn nach nur drei Jahren scheiterte Erhard als Bundeskanzler. Aus den Aussagen Konrad Adenauers wurde aber auch deutlich, dass er teils visionär dachte. Seine Feststellungen zu Europa, zu den USA oder zum Verhältnis des Festlandes zu Großbritannien hätten auch heute getroffen werden können. Allein hieran wird deutlich, welch großer Staatsmann Konrad Adenauer war. Die rund einstündigen Ausführungen von Prof. Dr. Hanns Joachim Küsters wurden mit großem Beifall aufgenommen. Er verstand es, mit einem prägnanten Vortrag die Zuhörer zu fesseln und mit auf eine Zeitreise in die 1960-Jahre zu nehmen. Mit der Nationalhymne und dem Eintrag des Gastes in das „Goldene Buch“ der Kommune klang die Veranstaltung aus.

Bürgermeister Thomas Groll verwies abschließend darauf, dass es natürlich auch 2018 eine Fortsetzung der zeitgeschichtlichen Veranstaltungsreihe geben werde. Besondere Ereignisse gäbe es im kommenden Jahr genug: 70 Jahre Währungsreform, 80 Jahre Reichspogromnacht, 100. Geburtstag Helmut Schmidt, 100 Jahre Frauenwahlrecht oder 250 Jahre Circus. Das letztere Thema, so Circusfan Groll, läge ihm besonders am Herzen und es würde ihn freuen, auch hier eine Veranstaltung anbieten zu können.