Durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 wurde vorgegeben, dass alle Gewässer wieder in einen guten ökologischen und chemischen Zustand gebracht werden müssen. Dies beinhaltet auch die ungehinderte Durchwanderbarkeit von Fließgewässern.
An der Wiera im Bereich der Bahnlinie Marburg/L. – Kassel (Viadukt vor der „Littermühle“) war ein sogenanntes Wanderhindernis, ein Kaskadenabsturz, vorhanden. Daher hat die Stadt Neustadt (Hessen) das Ingenieurbüro Zick-Hessler Wettenberg aus mit der Umplanung des Wanderhindernisses beauftragt. Ähnlich wie Treppen für einen Rollstuhlfahrer ein Hindernis bilden, bildete diese Absturzkaskade ein Hindernis für Fische und wasserbewohnende Kleinstlebewesen.
Nach den Worten von Bürgermeister Thomas Groll wurde damit ein Projekt aufgegriffen, dass bereits 2011 in der SILEK-Studie (Integriertes Ländliches Entwicklungsprojekt mit räumlichem und thematischem Schwerpunkt) gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen erarbeitet worden war.
In den letzten Wochen wurde eine sogenannte raue Rampe unterhalb des Absturzes angeschüttet, sodass der Höhenversatz auf einer längeren Strecke verteilt wurde (wieder ähnlich einer Rollstuhlrampe). Unterhalb der Rampe wurden noch strukturverbessernde Maßnahme durchgeführt, wie z.B. der Einbau von Wurzelstöcken als Unterstand für Fische und als Strömungslenker sowie Kiesbänke.
Der Bahndurchlass selbst weist durch das Wasserbaupflaster eine sehr glatte Sohle auf. Dadurch ist die Fließgeschwindigkeit hoch und die Fließtiefe gering, sodass auch hier Fische nur schwer passieren können. Da der Bahndurchlass über 150 Jahre alt ist, steht dieser unter Denkmalschutz. Um auch hier die Durchgängigkeit zu gewährleisten, wurden Holzbalken auf der Sohle aufgebracht. So konnte die Fließgeschwindigkeit reduziert und die Fließtiefe erhöht werden.
Die Baumaßnahmen wurden von der Heinrich Rohde Tief- und Straßenbau GmbH vom 01.11.2021 bis zum 17.11.2021 durchgeführt. Zunächst musste eine alte Überfahrt abgerissen werden, da diese nicht für den Baustellenverkehr ausgelegt war. Anschließend wurde eine neue Überfahrt als Betonfertigbauteil angeliefert und eingebaut. Danach konnte der eigentliche Bau der Rampe beginnen. Am Ende wurden noch die Holzschwelle sowie die strukturverbessernden Maßnahmen umgesetzt. Die Nettobaukosten betragen rund 150.000 € und werden zu 95% vom Land gefördert.
Bürgermeister Thomas Groll berichtete von einem umfassenden Planungsvorgang im Vorfeld der Maßnahme und zeitintensiven Abstimmungen mit den Behörden und der Deutschen Bahn. Er dankte Henning Heinze vom Planungsbüro und Silke Nauß von der Stadtverwaltung und hob das Engagement von Erstem Stadtrat Wolfram Ellenberg hervor, der das Projekt begleitete. Weiterhin hob er die Kooperationsbereitschaft des Eigentümers der angrenzenden Flächen hervor.
Foto: Michael Rinde








