die schweren Angriffe der russischen Armee auf ukrainische Städte und Dörfer sind ein Verbrechen und durch nichts gerechtfertigt.
Viele Ukrainerinnen und Ukrainer kämpfen jetzt um ihr Leben. Gegenwärtig sehen wir Tag für Tag in den Nachrichtensendungen schlimme Bilder, die uns die ganze Grausamkeit dieses Krieges deutlich vor Augen führen. Den betroffenen Menschen müssen wir mit humanitärer Hilfe, Spenden, Hilfsgütern, aber auch Aufnahme und Schutz bei uns beistehen.
Nach über fünfundsiebzig Jahren herrscht – nur wenige Stunden von Deutschland entfernt – wieder Krieg in Europa. Dies war bis vor ein paar Wochen für uns alle unvorstellbar. Die Verantwortung hierfür liegt einzig und allein beim russischen Präsidenten Putin und sein Handeln ist durch nichts zu rechtfertigen.
Man kann nur hoffen, dass es in Russland Frauen und Männer gibt, die bald erkennen, dass sich ihr Land in eine gefährliche Selbstisolation begeben hat und dass Frieden das Gebot der Stunde ist. Leider ist gegenwärtig aber zu befürchten, dass die Gewalt noch zunehmen dürfte. Zugleich wird es darauf ankommen, dass insbesondere die Verantwortlichen der EU- und NATO-Staaten weiterhin besonnen reagieren, damit endlich wieder diplomatische Aktivitäten die Waffen ablösen.
Von Michail Gorbatschow, dem ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, stammt folgendes Zitat: „An den Frieden denken, heißt an die Kinder denken.“
Gerade auch Mädchen und Jungen sind Opfer der gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine. Wer im Fernsehen gesehen hat, wie beispielsweise krebskranke Kinder aufgrund der Angriffe der russischen Luftwaffe nun in dreckigen Kellern notdürftig versorgt werden müssen, der muss doch in dieser Situation zur Hilfe bereit sein und kann kein Verständnis für das Handeln des russischen Präsidenten haben.
Bisher war „Krieg“ für uns immer weit weg. Nun ist er nicht nur geografisch in unsere Nähe gerückt, sondern in unserem Land leben Menschen, die einst aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion als Spätaussiedler zu uns kamen und aktuell über die Schicksale von Verwandten und Freunden in der Ukraine zu berichten wissen.
Wir sollten uns alle darüber im Klaren sein, dass die Schritte, die nun in Europa und Deutschland von unseren Regierungen gemeinsam veranlasst werden, nicht ohne Folgen für unser tägliches Leben bleiben werden. Wir müssen aber um der Freiheit willen bereit sein, diese möglichen Folgen – steigende Preise, Mängel in der Energieversorgung, mehr Ausgaben für die militärische Verteidigung oder Einbußen an anderer Stelle – mitzutragen.
Dies sind Worte, die vor Kurzem nicht ausgesprochen werden mussten. Die aber leider wahr sind und dieser Realität können wir nicht ausweichen.
Alle können helfen, durch Spenden an Hilfsorganisationen, Eintreten für Demokratie, gegen Falschinformationen und Hetze und Unterstützung für den Schnell nötigen Ausbau einer unabhängigen Energieversorgung.
Gerade der letzte Punkt ist von Bedeutung – auch für uns vor Ort. Großflächige Freiflächen-Photovoltaikanlagen oder Windräder im Wald oder an Ortsrändern sind nicht schön und Sorgen auch für Diskussionen, wenn wir aber unseren Wohlstand erhalten wollen, müssen wir Energie im eigenen Land erzeugen und dürfen keine Abhängigkeiten aufbauen.
Nichtstun ist keine Alternative, sonst laufen wir Gefahr, dass der Überfall auf die Ukraine nur der Anfang vom Ende von Freiheit und Demokratie in Europa war.
Der legendäre US-Präsident John-F. Kennedy (1917-1963) rief im Sommer 1963 im Zeichen von Mauer und Stacheldraht vor dem Rathaus Schöneberg folgendes aus: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.”
Durch Solidarität und dem Vertrauen auf die Werte der Freiheit und Demokratie wurde 1989/90 die Teilung Deutschlands und Europas überwunden. Scheinbar will Putin dies nun revidieren. Unsere Solidarität muss nun dem ukrainischen Volk gelten!
Es ist davon auszugehen, dass in Kürze auch in unserer Kommune und insbesondere der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete Menschen aus der Ukraine, insbesondere Frauen und Kinder, untergebracht werden. Wir werden dann in Absprache mit den Verantwortlichen zu schauen haben, wo wir zielgerichtet helfen können. Denen, die bereits Hilfe organisiert haben, gilt mein Dank.
Hoffen wir gemeinsam, dass die Waffen bald schweigen und die Ukraine selbstgestimmt über ihre Zukunft entscheiden kann.
Thomas Groll
Bürgermeister








