Endlich, am 1. April 2022, war es soweit: das Jubiläumsjahr "Neustadt 750" nahm seinen Auftakt. Ursprünglich sollte es ja im Januar mit Neujahrsandacht und -konzert losgehen, dies wurde aber pandemiebedingt verschoben, obwohl die Zahlen damals niedriger waren als heute ...
Das Wetter erinnerte an einen Aprilscherz und hätte bestens in den Januar gepasst: Schneefall und Frost. Ein Glück, dass man vom ursprünglichen Plan Abstand genommen hatte und die Veranstaltung im Kultur- und Bürgerzentrum stattfand. Auf Abstand sitzend und mit Maske konnten 170 Gäste teilnehmen und mussten ihr Kommen keinesfalls bereuen, denn der Abend bildete einen gelungenen Auftakt für Neustadts Stadtjubiläum.
Aber der Reihe nach ...
Zu Beginn fand eine ökumenische Andacht, musikalisch umrahmt von den "Trinitatisbläsern" statt. Pfarrer Andreas Rhiel wurde dabei von Silke Schmid vom evangelischen Kirchenvorstand unterstützt, da Pfarrerin Kerstin Kandziora erkrankt war.
Durch Texte und Lieder zog sich das Entstehen einer "neuen Stadt" wie ein roter Faden. In den Fürbitten betete man für alle - junge und alte, gesunde und kranke - die in Neustadt leben und arbeiten und dachte auch an jene, die Verantwortung in Vereinen und Kommune tragen.
Nach dem Segen für ein gutes Jubiläumsjahr dankte Bürgermeister Thomas Groll den Mitwirkenden und die Damen der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden luden zu Sekt und anderen Getränken ein.
Nach einer Umbau- und Lüftungspause hieß der Bürgermeister die Anwesenden auch im Namen von Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels und Erstem Stadtrat Wolfram Ellenberg herzlich willkommen. Ein besonderer Gruß galt dem Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger aus Marburg, der, so der Bürgermeister, einmal schauen wolle, wie Neustadt Geburtstag feiert.
Thomas Groll warf die Frage auf, ob man trotz Corona und Ukraine-Krieg Stadtjubiläum feiern dürfe. Er bejahte dies, denn sich einschließen bringe nichts. "Kultur und Gemeinsamkeit müssen wieder möglich sein. Wir feiern trotzdem, aber mit Verantwortung und Bedachtheit. Verantwortung heißt Abstand, 170 Gäste statt 400 und Maske. Bedachtheit bedeutet eine Spendensammlung für das geknüpfte Ukrainer-Netzwerk vor Ort", so Groll.
Er erinnerte an die verstorbene Landrätin Kirsten Fründt, die noch ein Grußwort zum Jubiläum verfasst habe und darin hervorhebe, dass man Zukunft aktiv gestalten müsse. "Dieser Aufgabe wollen wir uns gemeinsam stellen. Dazu wird jeder gebraucht. Ehrenamt und Bürgersinn sind für eine gute Zukunft", hob der Bürgermeister weiter hervor.
Ehrenamt gebe es in Neustadt von Generation, quasi wie bei einem Staffellauf. Thomas Groll nannte als ein Beispiel von vielen Elfriede Reich, die nun altersbedingt nach Darmstadt verziehe, aber beim Jubiläumsauftakt noch dabei sein wollte. Herzlicher Applaus begleitet sie dorthin.
Höhepunkt des Abends war das verschobene Neujahrskonzert "Zwischen Himmel und Erde". Auf der Bühne sangen gemeinsam die "Flötentöne" Neustadt und die "Klangfarben" Kirtorf, dirigiert von Christiane Krapp, die auch die Gesamtleitung des Abends innehatte. Moderiert wurde das Konzert von Nicole Naumann aus Kirtorf, die sich darüber freute, nach zwei Jahren endlich wieder bei einem Live-Konzert mitwirken zu dürfen. Sängerinnen und Sänger sprachen immer wieder Zeilen aus dem Gedicht "Zeilen der Wende" von Friedrich von Schiller, das bestens in die gegenwärtige Situation passt.
Vor der Bühne hatte die Saxophon-Gruppe des "Happy Sound Orchestras", verstärkt um Piano und Schlagzeug, Platz genommen. "Bindeglied" zwischen den Gruppen war "der Mann am Klavier" Harald Krähe, der sowohl auf als auch vor der Bühne musizierte.
Breitgefächert war das gekonnt dargebotene Repertoire des Konzertes. Bekannte Songs der "Comedian Harmonists", von Elvis Presley oder aus dem Kinohit "Der König der Löwen" wechselten sich mit weniger bekannten Melodien, etwa aus Afrika ab.
Stefan Taschner wusste mit einem Gedicht von Heinz Erhardt zu berichten, dass man einen Virus am besten mit Alkohol bekämpfe.
Nach neunzig Minuten erklang langanhaltender Applaus und es gab verdiente Zugabe-Rufe für die Akteure des Abends. Bevor es aber dazu kam, ergriff nochmals der Bürgermeister das Wort. Er sprach von einem guten Start ins Jubiläumsjahr und einer zweiten Eröffnung des Kultur- und Bürgerzentrums. Sein Dank galt allen Sängerinnen, Sängern und Musikern, insbesondere natürlich Christiane Krapp. Groll erwähnte aber auch Henning Michel, verantwortlich für Licht und Ton, Sonja Stark und das Team der Stadtverwaltung sowie Hausmeister Oliver Gies. Lobend hob er die gelungene Bühnendeko hervor.
Stimmungsvoll und nachdenklich das letzte Lied der Zugabe "Wo Menschen sich vergessen ...", heißt es doch dort "... das Friede werde unter uns".
Wer wollte konnte den Abend noch bei einem Getränk ausklingen lassen.
Das Konzert machte Freude auf weitere Veranstaltungen des Stadtjubiläums "Neustadt 750".
Im Rahmen des Konzertes wurden 945,75 Euro für das entstehende Ukraine-Netzwerk gesammelt.








