Am 13. Juni 2023 stattete Landrat Jens Womelsdorf der Stadt Neustadt (Hessen) einen Gemeindebesuch ab.

Innerhalb von sechs Jahren besucht der Landrat alle kreisangehörigen Städte und Gemeinden, um sich ein Bild über die aktuelle Situation vor Ort zu machen und zukünftige Vorhaben frühzeitig zu erfahren. Weiterhin ist ihm der Austausch mit der Kommunalpolitik, der Führung der Freiwilligen Feuerwehren und ehrenamtlich Aktiven wichtig.

Bürgermeister Thomas Groll, der das Programm gemeinsam mit den Ortsvorstehern zusammengestellt hatte, hieß den Landrat am Vormittag gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels und den Fraktionsvorsitzenden Hans-Dieter Georgi (CDU) und Hans-Gerhard Gatzweiler (SPD) im Kultur- und Bürgerzentrum willkommen.

Man habe diesen Ort bewusst gewählt, so der Bürgermeister, stehe er doch für Investitionen „in Steine und Menschen“ und symbolisiere so die Kommunalpolitik vor Ort. Mit dem KuBüZ sei ein Veranstaltungsort für Kultur, Traditionsveranstaltungen wie Karneval, Vereinsaktivitäten und Familienfeiern entstanden. Zugleich hätten hier aber auch das Familienzentrum, die Bücherei, die Bürgerhilfe und das Hessische Diakoniezentrum Hephata eine Heimat gefunden.

Neustadt sei, wie Thomas Groll weiter ausführte, eine Kommune mit Tradition, die aber den Aufgaben der Zukunft zugewandt sei. Klarer Beleg hierfür sei die Tatsache, dass seit 2016 rund 20 Mio. Euro in die kommunale Infrastruktur der Kernstadt und der Stadtteile investiert worden seien.

Vor dem Hintergrund der Finanzschwäche Neustadts sei es eine große Leistung, dass dies bisher ohne die Aufnahme von Krediten bewältigt worden sei. Leider seien aber auch „Fördertöpfe“ nicht unendlich, so dass er in den kommenden Jahren durchaus mit der Aufnahme von Geldern rechne, betonte der Bürgermeister. Dies sei aber auch kein Beinbruch. Seit sieben Jahren baue die Kommune trotz Millioneninvestitionen Schulden ab und die noch anstehenden Bauvorhaben wie ein weiterer Kindergarten und ein normgerechtes Feuerwehrhaus in der Kernstadt seien notwendig und dienten mehreren Generationen.

Thomas Groll dankte in diesem Zusammenhang den anwesenden Fachbereichsleitern Gitta Kurz, Holger Michel und Thomas Dickhaut sowie allen Mitarbeitenden für ihre engagierte Arbeit. Fördermittel heranzuholen sei das eine, diese müssten aber auch verwaltet und die Vorhaben abgearbeitet werden.

Neustadt sei eine Kommune mit zahlreichen Herausforderungen für die Zukunft. In diesem Zusammenhang erwähnte der Bürgermeister zunächst die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in der Kaserne. Diese böte zwar aufgrund der Aufnahme in Förderprogramme und erhöhter Schlüsselzuweisungen Möglichkeiten der Stadtentwicklung, sei aber natürlich für direkte Anwohner, Geschäfte und teilweise öffentliche Einrichtungen bei weitem nicht ohne Probleme. Weiterhin sprach er die Situation „rund um den Bahnhof“ an.

In diesem Zusammenhang nannte er auch „die großen Themen“ Mobilität, Klimaschutz und Digitalisierung, der sich die Kommune natürlich auch stelle.

Das Miteinander mit dem Landkreis bezeichnete Groll als eng und vertrauensvoll.

Landrat Jens Womelsdorf, der sich auch in das Gästebuch eintrug und ein „Häppchen-Brettchen“ als Gastgeschenk erhielt, dankte dem Bürgermeister für die freundliche Begrüßung.

Er bezeichnete Neustadt mit seinen drei Stadtteilen als eine äußerst aktive Kommune, in der mit Weitblick Kommunalpolitik betrieben werde.

Man merke, dass die Verantwortlichen vor Ort einem roten Faden folgten. Der Landkreis sei gerne bereit, dies auch weiterhin zu unterstützen.

Jens Womelsdorf hob weiter hervor, dass die Kommune der interkommunalen Zusammenarbeit sehr aufgeschlossen gegenüberstehe, gerade für kleinere Städte und Gemeinden sei diese notwendig.

Schulleiter Volker Schmidt, VfL-Vorsitzender Klaus Busch und Heinz-Hermann Drescher von der Handballabteilung erhielten Gelegenheit, dem Landrat die Mängel der Sporthalle in der Querallee aufzuzeigen, die von Schule und Verein rege genutzt wird. Womelsdorf sagte zu, das Gesehene in die Kreisverwaltung zu tragen.

Nach einem kurzen Besuch im Freibad ging es mit einem Planwagen von „Rent your TouR“ auf eine Rundreise durch die Kommune.

Im Heidental wurde dem Landrat die Hochwasserproblematik erläutert und auf nun beginnende vorbereitende Arbeiten für den angestrebten ökologischen Hochwasserschutz berichtet.

Anschließend warf man einen Blick auf die voranschreitenden Bauarbeiten der A 49.

Michel Rudewig von Rudewig-Windpower erläuterte der Gruppe Aufbau und Funktion eines Windrades und gab Einblicke in die Genehmigungspraxis. Dem Landrat wurden bei dieser Gelegenheit auch die PV-Freiflächenanlagen vorgestellt, die in der Kommune entstanden sind. Hans-Gerhard Gatzweiler verwies auf einen Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung, nachdem nur Vorhaben unterstützt werden, von denen man vor Ort profitiere.

In Speckswinkel gab Ortsvorsteher Martin Naumann Erläuterungen zu Maßnahmen der Dorferneuerung und stellte exemplarisch die „Grüne Mitte“ vor. Harald Geißel reichte dabei schmackhafte Erdbeeren von seinen Feldern und warb damit für regionale Produkte.

In Mengsberg fand der erste Spatenstich für das „Haus für alle“ statt.

Im EMA-Park in der ehemaligen Kaserne erläuterte dessen Geschäftsführer Fabian Lapp die Konzeption der Konversionsmaßnahme und Frank Graul lud zu einer Probe des Neustadt Gins ein.

Im Feuerwehrhaus Neustadt fand ein Gespräch mit der Führungsspitze der örtlichen Wehren teil. Hieran nahmen Stadtbrandinspektor Frank Bielert, sein Stellvertreter Patrick Peter, die Wehrführer Rüdiger Wickel, Kai Schmitt und Marco Stegner sowie Stadtjugendfeuerwehrwartin Martina Zinser teil. Zu der Unterredung kam auch Kreisbrandinspektor Lars Schäfer hinzu.

Dem Landrat wurde die Situation der örtlichen Einsatzabteilungen und die Arbeit von Jugend- und Kinderfeuerwehren geschildert. Zudem wurde das gute Miteinander mit der Kommune betont.

Bürgermeister Groll stellte Anschaffungen und Investitionen der Vergangenheit und Gegenwart da. Im Hinblick auf den Standort des angedachten Feuerwehrhauses für die Kernstadt sagte er den frühzeitigen Einbezug der Wehr zu. Warb zugleich für Offenheit und sprach davon, dass „natürlich auch“ die Trinitatis-Kirmes gesichert werden müsse.

Mit einem Kaffeetrinken mit ehrenamtlich aktiven im Café „Amandina“ im multifunktionalen Haus Momberg klang der Gemeindebesuch am späten Nachmittag aus.

Landrat Jens Womelsdorf zeigte sich sehr beeindruckt von dem Gesehenen und wünschte der Kommune alles Gute für die Zukunft.

Fotos: Stadt Neustadt (Hessen)